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Ad personam: Justus Lipsius1
(Auszug aus: Karl Beuth, Weisheit und Geistesstärke, a.a.O., S. 10-12)

Justus Lipsius wurde am 18. Oktober 1547 als Sohn katholischer Eltern in Isque (Overijsche) in den spanischen Niederlanden, dem heutigen Belgien geboren. Nach der elementaren Schulausbildung setzte er seine Studien bei den Jesuiten in Köln fort, wo die Grundlagen seiner Kenntnisse der antiken Sprachen sowie der klassischen Literatur und Geschichte gelegt wurden. Mit sechzehn Jahren kehrte er nach Louvain in der Nähe seines Heimatortes zurück, um die dortige Universität zu besuchen.
Nach Aufenthalten in Rom und Wien folgt er einem Ruf als Professor für Geschichte an die lutherische Universität Jena (1572-1574).2 Nach seiner Heirat in Köln wird er 1576 in Louvain (Löwen) zum Doktor der Rechte promoviert. Doch schon 1578 nach der Eroberung der Stadt durch Don Juan d’Austria und der Plünderung seines Hauses flieht er nach Antwerpen und erhält 1579 die Professur für Geschichte in Leiden.
Dort schreibt er 1582 sein damals sehr beachtetes, erstes philosophisches Werk „De constantia“.3 Doch zahlreiche Hinweise auf antike Autoren und Poeten weisen ihn als Philologen aus. Seine Haupttätigkeit bestand in der Edition und Kommentierung antiker Schriften, z.B. des Seneca und Tacitus. Sein nächstes, politisch einflußreiches Werk sind 1589 die „Politica“.4 Diese ist im Gegensatz zur „Constantia“ ein systematisch geordnetes, an die Fürsten gerichtetes Mosaik von Zitaten aus antiken Schriften zu Fragen der politischen Verantwortung. Ist die „Constantia“ ein in Dialogform lebendig gestaltetes Werk, in dem das Denken des Autors transparent und nachvollziehbar wird, so tritt dieser in den „Politica“ hinter der Masse der häufig aus ihrem Zusammenhang gerissenen antiken Sentenzen zurück.5 Beide Schriften fanden in weiteren Kreisen der gebildeten Zeitgenossen Aufmerksamkeit, während das philosophische Spätwerk sich eher an Fachgelehrte richtete. Die 1604 erschienene „Manuductio ad Stoicam philosophiam“ erfaßt systematisch die stoische Ethik, im Anschluß daran schematisiert die „Physiologia Stoicorum“ die stoische Naturphilosophie.6
Mit seinem Wechsel in das calvinistische Leiden wendet sich Lipsius dem Protestantismus zu, doch kommt es 1590 durch die Auseinandersetzung um seine Haltung in der Frage der Religionsfreiheit im Anschluß an die umstrittenen Kapitel der „Politica“7 zum Bruch mit der Universität. Nach der öffentlichen Aussöhnung mit der katholischen Kirche 1590 in Mainz folgt er 1592 einem Ruf an die heimatliche Universität Louvain. Hier stirbt er am 23. März 1606 im Alter von 59 Jahren.




1Die biographischen Anmerkungen zu J. Lipsius gründen auf Alfred Steuer, Die Philosophie des Justus Lipsius. (Erster Teil.), Diss. Münster i.W. 1901, S. 1ff. und Jason Lewis Saunders, Justus Lipsius. The Philosophy of Renaissance Stoicism, New York 1955, S. 3 ff.
2 Lipsius bestreitet später, sich hiermit innerlich dem Luthertum zugewandt zu haben. Vgl. Saunders, a.a.O. S. 12.
3 „De Contantia libri duo qui alloquium praecipue continent in publicis malis“. In dieser Schrift nimmt er deutlich Bezug auf die kriegerischen Ereignisse in seiner Heimat und macht seine persönliche Betroffenheit deutlich: “quis enim Langi, inquam, tam firmo et tam ferreo pectore, qui diutius ferendis iis malis sit? iactamur iam tot annos, ut vides, bellorum civilium aestu, et, ut in undoso mari, non uno vento agitamur turbarum seditionumque. otium mihi cordi et quies? turbae interpellant et strepitus armorum.“ (C 1.1.18) und: „bello ecce iactamur, nec externo solum, sed civili“ (C 2.20.97).
4 „Politicorum sive civilis doctrinae libri sex“.
5 Daran ändert auch die im Anschluß an Politica 4.2-4 entstandene Kontroverse zur Religionsfrage nichts. Lipsius hatte dort den Fürsten zur Wahrung einer einheitlichen Religion aufgefordert, was ihm den Vorwurf der Intoleranz und die Anfeindung durch Theodor Coornhert einbrachte (Vgl. A. Steuer, a.a.O., S. 7).
6 Ausführliche Darstellung der „Manuductio“ in Saunders, a.a.O., S. 67-116, der „Physiologia“ ebenda, S. 117-217
7 Politica 4.2-4, vgl Anm. 5.